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23.12.2020

Weihnachtsbrief

Hier finden Sie den Brief des Vorsitzenden.

Liebe Seniorinnen,
liebe Senioren,

am Ende eines aufregenden Jahres möchte ich mich noch einmal bei Ihnen melden.
Ich hoffe sehr, dass Sie die Pandemie bislang ohne größeren Schaden durchlebt haben.

Wir SeniorInnen stehen, auch medial, immer wieder im Fokus des öffentlichen Interesses, wir werden dann gerne als vulnerable, also verletzliche, Gruppe bezeichnet. Aus zahlreichen Gesprächen weiß ich, dass vielen von uns diese „Stigmatisierung“ nicht nur gefällt, was ich verstehen kann. Trotzdem sollten wir es positiv sehen, werden doch so endlich auch öffentlich Themen angesprochen, die ohne Pandemie nicht diskutiert worden wären, wie beispielsweise die Triage. Erstmals hat der Chef eines Krankenhauses in Sachsen – Dr. Mathias Mengel Ärztlicher Direktor des Klinikums Oberlausitzer Bergland gGmbH - eingeräumt, dass in seiner Klinik triagiert werden musste. Der Fachbegriff Triage stammt vom französischen Verb “trier“, das “sortieren“ oder “aussuchen“ bedeutet. In dem Krankenhaus haben nicht genügend Beatmungsbetten zur Verfügung gestanden, also musste entschieden werden, welcher Patient beatmet wird und welcher nicht. Wir müssen uns dafür einsetzen, dass beim “Sortieren“ nicht nur das Alter eine Rolle spielt, sondern v.a. der Allgemeinzustand mit der Summe der Vorerkrankungen und der Schweregrad, die Covid 19-Intensität, was eine Prognose der Erfolgsaussichten zulässt. Unsere Forderung muss lauten, dass den SeniorInnen ein Mitsprache- und Entscheidungsrecht eingeräumt wird in beispielsweise Ethikräten, die sich mit solchen und ähnlichen Problemen/Fragestellungen beschäftigen. Das Thema Triage werde ich auch in unserem Youtube-Kanal aufgreifen, der ja leider von der Gruppe, für die ich den Kanal installiert habe, nicht in der notwendigen Zahl frequentiert wird. Die SeniorInnen in Ludwigshafen haben mit Recht beklagt, dass sie „von der Digitalisierung abgehängt“ worden sind. Den Radiobeitrag habe ich vor 4 Wochen in unseren Kanal gestellt, er wurde 24 mal aufgerufen. Das Problem kennen wir alle: Damit wir nicht nur mitreden, sondern uns auch bei Bedarf wehren können, bedarf es einer schnell umsetzbaren Transparenz. Diese Transparenz wurde auch mit Recht in der Mitgliederversammlung gefordert. Unter Nutzung der neuen Medien ist sie herstellbar. Nur sind viele von uns mit diesen Medien (Digitalisierung gehört dazu) nicht ausreichend vertraut. Die Lösung kann nicht “wieder Briefe verschicken“ lauten, sondern Schulungen auch unter Zuhilfenahme von (Enkel-) Kindern, ich spreche hier aus eigener Erfahrung.

Bitte verstehen Sie diese Worte nicht als Schelte oder Meckern. Ich möchte nur als Ihr neuer Vorsitzender dem Transparenzwunsch der Mitgliederversammlung nachkommen, weiß andererseits auch wie wichtig und zukünftig immer wichtiger es sein wird, dass wir gut informiert sind und nicht Entscheidungen am grünen Tisch über unsere Köpfe hinweg getroffen werden zu unseren Ungunsten. Das will ich nicht zulassen, brauche dazu aber die SeniorInnen im Lande, die mir den Rücken stärken, was aber nur funktioniert, wenn möglichst viele von uns auch informiert sind…
Ich sehe die SeniorInnen als eine aktive, kritische, mitredende Gruppierung, an der keiner vorbei kommt, die berücksichtigt, gefragt und nicht vergessen wird.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein trotz aller Einschränkungen FROHES WEIHNACHTSFEST in kleinem Kreis, was auch schön und v.a. besinnlich sein kann und für 2021 alles erdenklich Gute, v.a. gesund bleiben bzw. werden.

Herzlicher Gruß
Ihr Dr. Günter Gerhardt