Sie sind hier: Startseite
10.09.2018

Bätzing-Lichtenthäler: Jeder Mensch hat das Recht auf ein Dach über dem Kopf

„Dass es Menschen in Rheinland-Pfalz gibt, die kein Dach über dem Kopf haben, ist ein unhaltbarer Zustand. Wohnungslosigkeit ist eine der extremsten und sichtbarsten Formen von Armut und wir müssen alles dafür tun, diese zu überwinden und die Betroffenen wieder am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu lassen“, forderte Sozialministerin Bätzing-Lichtenthäler im Vorfeld des Tags der Wohnungslosen, der jedes Jahr am 11. September begangen wird und das Thema in das Bewusstsein der Gesellschaft und vor allem der Verantwortlichen rücken soll.

Nach Rückmeldungen aus der Praxis stellen mittlerweile eine zunehmende Anzahl an jungen Wohnungslosen bis 25 Jahren und wohnungslosen Frauen die Einrichtungen und Dienste der Wohnungslosenhilfe vor Herausforderungen. Um angemessen auf diese Zielgruppenverschiebung zu reagieren, erprobt das Land seit November 2016 bis April 2019 in Zusammenarbeit mit Einrichtungsträgern eine neue Wohnform in Gestalt des „dezentralen stationären Wohnens“. „Vom Prinzip her ist diese Wohnform mit betreutem Wohnen vergleichbar, geht aber mit einer intensiveren sozialpädagogischen Betreuung und mit der organisatorischen Anbindung an eine stationäre Einrichtung einher. Das schafft die Möglichkeit einer besonders gut auf die Person zugeschnittenen, individuellen Betreuung“, so die Ministerin. „Mit diesem Konzept möchten wir durch besonders bedarfsgerechte Hilfen eine möglichst wirksame Normalisierung der Lebens- und Wohnverhältnisse der Betroffenen erreichen“, so Bätzing-Lichtenthäler weiter.

„Wir wissen, dass die Situation von Wohnungslosen häufig durch komplexe Problemlagen, wie zum Beispiel Suchtverhalten, psychische Verhaltensauffälligkeiten oder Überschuldung, gekennzeichnet ist. Deshalb ist die Vernetzung mit möglichst vielen Akteuren, zum Beispiel aus der Suchtkrankenhilfe, der Psychiatrie oder der Schuldnerberatung, besonders wichtig“, erklärte Bätzing-Lichtenthäler. Dass dieser Ansatz wichtig und richtig ist, zeigt auch das erfolgreich abgeschlossene Modellprojekt „Schnittstellenmanagement in der Wohnungslosenhilfe“, das in der Region Koblenz durchgeführt wurde.

Um die Situation und den Hilfebedarf im Zusammenhang mit Wohnungslosigkeit zukünftig besser abschätzen zu können und Hilfen gezielt zu überprüfen und einzusetzen, ist Rheinland-Pfalz außerdem gerade dabei, verlässliche Zahlen zu generieren und eine Wohnungsnotfallstatistik aufzubauen. Hierfür erhebt das Statistische Landesamt im Auftrag des Sozialministeriums künftig jährlich zum 30. September Daten bei den rheinland-pfälzischen Kommunen und freien Trägern der Wohnungslosenhilfe. Diese sollen in circa zwei bis drei Jahren belastbare Ergebnisse liefern.

„Wohnungslosigkeit ist unter anderem auch ein Thema in unserem landesweiten Beteiligungsprozess ,Armut begegnen – gemeinsam handeln‘. Zusammen mit den anderen Akteuren setze ich mich dafür ein, dass im Netzwerk konkrete Maßnahmen auf den Weg gebracht werden, um Menschen in prekären Lebenslagen langfristig zu helfen“, so Bätzing-Lichtenthäler. Zur Weiterentwicklung der Wohnungslosenhilfe in Rheinland-Pfalz treffen sich Fachkräfte der freien Wohlfahrtspflege, der Kommunen und Vertreter des Landes zu regelmäßigen Workshops und gemeinsamen Beratungen. Ziel ist die gemeinsame Gewinnung von Informationen zu Entstehung, Verlauf und Überwindung von Wohnungslosigkeit, die Identifizierung von potenziellen Interventionspunkten institutioneller Hilfeangebote, die fachliche Diskussion guter Beispiele für Menschen in Wohnungsnotlagen und die Entwicklung von Handlungsempfehlungen für Verwaltung und Praxis der Wohnungslosenhilfe. Die Workshops werden vom Landesamt für Soziales, Jugend und Versorgung (LSJV) im Auftrag des Sozialministeriums organisiert und durch Gesellschaft für innovative Sozialforschung und Sozialplanung (GISS) fachlich begleitet. „Diese Form der Kooperation auf Landesebene ist ein wichtiger und neuer Ansatz. Mittel- und langfristig wird es so möglich sein, Hilfen zu optimieren und Angebote besser zu verzahnen“, so die Ministerin.

Quelle: msagd.rlp.de