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24.10.2017

15 Jahre Initiative Organspende Rheinland-Pfalz: Aufklärung erleichtert Entscheidung

Organspende schenkt Leben – dieser Gedanke leitet seit 15 Jahren die Arbeit der Initiative Organspende Rheinland-Pfalz. Das Bündnis, zu dem sich verschiedene Partner aus dem Bereich Gesundheit und Selbsthilfe 2002 zusammengeschlossen haben, engagiert sich seither unter Federführung der Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG) für Aufklärung und Öffentlichkeitsarbeit. Auch im Jubiläumsjahr ist erstes Ziel der Initiative, die Bedeutung der Organspende im gesellschaftlichen Bewusstsein zu verankern und für die persönliche Entscheidungsfindung zu werben.

Dass sich Aufklärung lohnt, zeigt das Beispiel von Stephanie Kampmann. Sie gehört zu den Menschen, die eine Entscheidung in schwerer Stunde treffen mussten. Innerhalb weniger Tage erkrankte ihr achtjähriger Sohn lebensgefährlich. Die Ärzte kämpften auf der Intensivstation vergeblich um sein Leben. Als der Hirntod festgestellt wurde, fassten Stephanie Kampmann und ihr Mann den Entschluss, einer Organspende zuzustimmen. „Durch den Tod unseres Sohnes konnten andere Kinder gerettet werden, so dass die Eltern nicht das Gleiche durchmachen mussten wie wir“, sagt sie heute. Auch zehn Jahre danach hat sie ein gutes Gefühl bei dem Gedanken an die Einwilligung. Die Organspende ihres Kindes hat mehreren Menschen Leben geschenkt.

„In der Transplantationsmedizin bewegt man sich stets im Spannungsfeld zwischen Verstand und Gefühl. Auch wenn die meisten Menschen wissen, was ein gespendetes Organ für einen todkranken Patienten bedeutet, ist das Thema umwoben von Ängsten, Vorbehalten und Schuldgefühlen. Es ist wichtig, diese Ängste und Fragen ernst zu nehmen. In den 15 Jahren ihres Bestehens hat die Initiative Organspende Rheinland-Pfalz vielfältige Möglichkeiten aufgegriffen, mit Menschen ins Gespräch zu kommen und die Auseinandersetzung über das Thema Organspende anzuregen“, erklärt Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler. Das rheinland-pfälzische Gesundheitsministerium, das die LZG mit der Aufklärung zum Thema Organspende beauftragt hat, unterstützte die Gründung des Bündnisses 2002 und trägt seitdem, ebenso wie die gesetzlichen Krankenkassen, zur Finanzierung seiner Arbeit bei.

Zahllose Infostände, Vorträge, Ausstellungen und Veranstaltungen in Betrieben, Behörden und Schulen sowie auf Gesundheitstagen, Messen und Stadtfesten zeugen von der Arbeit der Initiative Organspende. „In der direkten Kommunikation liegen große Chancen, Unsicherheiten abzubauen. Mit sachlichen Informationen möchten wir bei den Bürgerinnen und Bürgern den Weg für die persönliche Entscheidungsfindung ebnen, auf die es schließlich ankommt,“ sagt Dr. Matthias Krell, Geschäftsführer der LZG. Aufgrund der in Deutschland geltenden Regelung ist das erklärte Einverständnis des Betroffenen Voraussetzung für die Organentnahme. Doch nur bei etwa 40 Prozent der Verstorbenen ist der Wille bekannt. In mehr als der Hälfte der Fälle müssen die Angehörigen im Ermessen der verstorbenen Person entscheiden. „Wenn die eigene Haltung – egal ob pro oder contra – in einem Organspendeausweis dokumentiert und mit den Angehörigen besprochen ist, ist das für die Familie eine große Entlastung. Es gibt in den schweren Stunden der Trauer Sicherheit, im Sinne des Verstorbenen zu handeln“, so Dr. Krell.

98 Organtransplantationen wurden in Rheinland-Pfalz im vergangenen Jahr durchgeführt. 70 waren es im Zeitraum von Januar bis September 2017. Mehr als 400 Rheinland-Pfälzerinnen und Rheinland-Pfälzer warten – zum Teil bereits seit Jahren – auf ein Spenderorgan. Bundesweit sind es über 10.000 Menschen, die auf ein Herz, eine Niere, eine Leber, eine Lunge oder eine Bauchspeicheldrüse hoffen. Für viele von ihnen ist eine Organtransplantation die einzige Chance auf ein Weiterleben. Doch die gespendeten Organe reichen nicht aus. Im Jahr 2016 haben bundesweit 857 Menschen nach dem Tod ihre Organe für schwer kranke Patienten zur Verfügung gestellt. Jeden Tag sterben durchschnittlich drei Patientinnen und Patienten in Deutschland, denen mit einer Transplantation hätte geholfen werden können.

Quelle: www.lzg-rlp.de